Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit: Mehrere Initiativen gestalteten in Lobeda ein Fest des „Austausches“, das Anklang fand.„Fest des Austausches“ in Lobeda: Günter Treske mit Sara (links mit Kind) und Salam aus Eritrea, die er beide ehrenamtlich betreut.

Jena. „Braten unter Freunden“: Unter diesem Motto wurde am Sonnabend zu einem großen „Fest des Austausches“ auf das Gelände des Studentenclubs „Schmiede“ in Lobeda-West eingeladen. Insgesamt etwa 80 Bürger, darunter zahlreiche Flüchtlinge aus der benachbarten Gemeinschaftsunterkunft, folgten dem Aufruf der Veranstalter (DGB, Medinetz e.V., SDAJ Jena-Weimar, DKP, „Schmiede“ und Einzelpersonen, unterstützt vom Flüchtlingsrat Thüringen, DJR und Verdi) zum zwanglosen Miteinander und Kennenlernen. Bevor sich das Areal ab Mittag füllte, wurden emsig Vorbereitungen getroffen, so zahlreiche Spiele für die Kinder aufgebaut und in der Küche Salate und diverse Speisen nach internationalen Rezepten zubereitet. Koordiniert wurden die Aktivitäten von einem Vorbereitungskreis, dem unter anderem René Markgraf, Jannik Widon und Ben Eismann angehörten. „Gerade nach dem Angriff rechter Schläger auf drei Inder vor einigen Wochen ist es uns wichtig, hier ein Zeichen zu setzen“, sagten sie. Rassisten und Faschisten dürfe man nicht die Straße überlassen und sich nicht gegeneinander aufhetzen lassen. Uneigennützig Hilfe zu leisten all denen, die Unterstützung brauchen, ist etwa für Günter Treske eine Selbstverständlichkeit. Er hat sich viele Jahre lang unter anderem im Tschernobyl Verein engagiert, wirkt beim Afrika-Verein Zomba Hospital Project e.V. von Ärzten der Chirurgischen Uni-Klinik mit und betreut derzeit neben anderen eine Familie aus Eritrea mit Kleinkind, die seit einem Jahr in Jena lebt und eine Wohnung bekommen hat, sowie deren Freundin, seit vier Monaten in Jena. Er weiß aus seiner Tätigkeit, wie mühselig dieser Neustart für die Flüchtlinge ist, wenn sie zwar eine Wohnung erhalten, vom Besteck bis zum Waschpulver und Spielzeug jedoch alles fehlt. In ehrenamtlicher Tätigkeit beim „Freundeskreis“ wird in solchen Fällen aus unzähligen Spenden eine der Familiengröße entsprechende Grundausstattung bereitgestellt. „Die Menschen sind da, sie brauchen Hilfe. Dann helfe ich eben“, sagt er. Er weiß aber auch, dass selbst Freunde seine Haltung nicht verstehen oder akzeptieren wollen. „Leider“, bedauert er. Der Trägerkreis der Veranstaltung sieht sich mit dem Zuspruch in seinem Anliegen, einen Beitrag zur Verständigung zu leisten, bestätigt. Über weitere Projekte wird bereits nachgedacht.

 

Frank Döbert / 20.07.15 / OTZ

 

Quelle: http://jena.otz.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/Fest-in-Jena-Lobeda-8222-Die-Menschen-sind-da-sie-brauchen-Hilfe-8220-793835154